26. Januar 2026
Programmieren mit KI: Wie ich mit Vibe Coding (doch noch) einen geliebten Internetdienst zurückbringen konnte

Schon Anfang 2025 wollte unser Redakteur Michael einen längst abgeschalteten, aber von ihm geliebeten Web 2.0-Dienst nachbauen – ganz einfach mit Künstlicher Intelligenz, per Vibe Coding. Große Programmierkenntnisse soll man dank KI schließlich nicht mehr brauchen. Doch damals gab er entnervt auf, weil die KIs nicht immer das taten, was sie sollten. Seitdem hat sich viel getan – und Vibe Coding funktioniert jetzt viel besser, wenn auch nicht perfekt. Ein Erfahrungsbericht.
Von Michael Förtsch
Das Web 2.0 erscheint aus heutiger Sicht wie eine weit entfernte Utopie. Es war die Phase, in der das World Wide Web von einer Sammlung statischer Seiten spürbar zu einer partizipativen Landschaft aus Plattformen, Profilen und öffentlichen Beiträgen wurde. Die ersten Anzeichen davon wurden kurz nach dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 sichtbar. Aber erst nachdem dieser Schock verdaut war, begann es wirklich zu wachsen. Twitter – heute X –, Flickr, Reddit und Tumblr entstammen dieser Ära. Ebenso wie Facebook, das zu einem der größten und kontroversesten Internetkonzerne überhaupt wurde. Viele einstige Web-2.0-Dienste gibt es auch nicht mehr. Darunter MySpace, Posterous, Truemors oder Friendster. Manche davon sind vollkommen zu Recht untergegangen und in Vergessenheit geraten. Anderen trauern viele bis heute nach.
Für mich ist Del.icio.us einer der Dienste, um den es wirklich schade ist. Die Plattform war ein 2003 gestarteter Social-Bookmarking-Service, auf dem Nutzer sich ein Konto anlegen und Links teilen konnten. Der Clou: Man konnte Links mit Stichworten beziehungsweise Tags versehen – eine Mechanik, die selbstverständlich ist. So konnte man sich durch öffentliche Bookmarks, die gespeicherten Links von anderen und auch die eigenen klicken. Von vielen Nutzern gespeicherte Links wurden als Popular Bookmarks auf der Startseite präsentiert. Aber mich interessierte Del.icio.us vor allem als privater Link-Speicher: als ein Ort, an dem ich Artikel, Websites und Dienste gut durchsuchbar in einer herrlich aufgeräumten digitalen Umgebung ablegen konnte.
Dann jedoch wechselte Del.icio.us ab 2005 in kurzer Folge zwei Mal den Besitzer, wurde mit überarbeiteter Nutzeroberfläche neu gestartet, der viele Funktionen fehlten. Viele Nutzer sprangen ab. Dann ging die Plattform erneut durch mehrere Hände – und wurde schließlich 2017 abgeschaltet.
Seitdem war ich auf der Suche nach einer Alternative – ziemlich vergeblich. Google Bookmarks war gut, wurde aber 2021 eingestellt. Bei Raindrop, Pinterest, Toby, Instapaper oder Pocket – das es mittlerweile auch nicht mehr gibt –, fehlten mir der Fokus und die Klarheit, die Del.icio.us so grandios machten. Die beiden sehr minimalistischen und unzweifelhaft von Del.icio.us inspirierten Dienste Pinboard und Linkhut kamen und kommen nah an das heran, was ich mir wünschte. Dennoch ließen sie manche Funktionen und Möglichkeiten vermissen, die ich gerne hätte.
Also dachte ich mir: Wieso nicht selber einen Bookmarking-Service bauen?
Bye bye, Del.icio.us! Oder doch nicht…?
Es war bereits einige Monate her, als ich mich das erste Mal im Vibe Coding versuchte – also dieser neuen Art des Programmierens, bei der man die eigentliche Coding-Arbeit weitgehend der Künstlichen Intelligenz überlassen können soll. Laut den Vibe-Coding-Verfechtern beschreibt man nur, was man möchte, gibt grob Richtung und Stil vor – und das System kümmert sich um die Umsetzung. Man lässt Ideen und Vorstellungen praktisch durch die Künstliche Intelligenz laufen und sie dadurch manifest werden. Programmiersprachen, Tech-Stacks und der Code – das soll einen nicht kümmern. Zumindest in der Theorie.
Anfang 2025 hatte ich mit dieser Methode ein einfaches Python-Programm erstellt, mit dem ich Fotos in einer simplen Art und Weise bearbeiten und speichern konnte. Danach hatte ich mir mithilfe von ChatGPT, GPT-4o und DeepSeek R1 noch ein kleines Programm gebastelt, um Datasets aus Bildern und Textbeschreibungen zu modifizieren. Beide waren keine Software-Kolosse, aber sie taten erstaunlich gut, was sie sollten. Daher fragte ich mich, ob sich mit Vibe Coding eben auch eine Art privates Del.icio.us verwirklichen ließe.
Tatsächlich gelang es recht schnell, in einigen wenigen Prompts mit ChatGPT ein simples, aber funktionelles Gerüst zu erstellen. Das erlaubte es bereits, Links in ein Formular zu geben, diese mit Schlagworten zu versehen und in einer Datenbank abzulegen. Aber darüber hinaus gestaltete sich alles etwas schwierig – vor allem, weil ChatGPT bei Korrektur- und Ausbauversuchen wiederholt mehr kaputt machte, als es zu verbessern schien.

Nachdem ich beispielsweise die Möglichkeit einbaute, die Titel der Bookmarks nachträglich anzupassen, war plötzlich die Funktion verschwunden, Tags zu setzen. Ein anderes Mal optimierte das Sprachmodell den Code, löschte dabei aber dabei die Teile, die für die Anzeige des Login-Fensters nötig waren. Ich nutzte daher über den Code-Editor VS Code auch andere KI-Modelle wie Claude 3.5 Sonnet, Deepseek R1 oder DeepSeek V3, die teils zuverlässiger agierten, Fehler entdeckten und behoben. Aber sie scheiterten wiederum an anderen Stellen. Einige Male musste ich daher händisch eingreifen, selbst Fehler im Internet recherchieren und dann korrigieren. Noch schwieriger gestaltete sich der Aufbau von Struktur und Optik, die sich so gar nicht in die von mir gewünschte Richtung bewegten. Immer wieder zerschossen die Modelle mir das Layout. Daher gab ich irgendwann im April etwas ernüchtert auf und ließ das Projekt erst einmal liegen.
Über die kommenden Monate blieb die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz aber nicht stehen, sondern machte weiter Fortschritte. Keine gigantischen Sprünge wie einst von GPT-3 auf GPT-3.5, aber dennoch markante Hüpfer – auch und vielleicht sogar vor allem, was die Fähigkeiten der Modelle beim Coding angeht. Außerdem entwickelten sich die Tools um sie herum, angetrieben durch den Vibe-Coding-Trend, in verblüffender Weise.
Etwa ein Jahr später
Es war November 2025, als ich mich erstmals wieder an ein neues Vibe-Coding-Projekt wagte. Denn da schwappte abrupt eine Welle des Erstaunens und der Begeisterung über Social-Media- und Community-Plattformen wie X, Reddit, BlueSky und andere. Der Grund dafür war das neue Gemini-3-Modell, das Google gerade veröffentlicht hatte und vollmundig als „eine neue Ära der Intelligenz“ beschrieb. Zumindest was die Coding-Fähigkeiten betrifft, stimmten viele dieser Einschätzung. Eine X-Nutzerin ließ sich ein Video-Übungswerkzeug zum Erlernen von Zeichensprache generieren; ein anderer ein Interview-Tool, bei dem die KI basierend auf eigenen Aussagen entsprechende Fragen stellt. Manche wiesen die Künstliche Intelligenz an, mal mehr, mal weniger komplexe Videospiele zu entwickeln.
Aber vor allem gestalteten sie mit Hilfe von Gemini 3 teils beeindruckende Websites. Genau das war auch mein erstes neues Vibe-Coding-Projekt. Denn ich wollte schon länger eine neue Homepage. Die stand nach nicht einmal einer Stunde. Zwar produzierte Gemini 3 im Google AI Studio im ersten Anlauf eine extrem überfrachtete Orgie aus Animationen und optischen Spielereien. Aber nach einigen wenigen Prompts dampfte die KI das alles, meinen Anforderungen folgend, in eine herrlich minimale HTML- und CSS-Seite ein, die ohne Bilder nicht einmal 100 Kilobyte wiegt. Nicht alles war perfekt. Ich ließ die Seite über die kommenden Tage noch von anderen Modellen korrekturlesen, passte Kleinigkeiten händisch an, aber sonst: Ich war beeindruckt.
Daher war ich nun überzeugt, dass ich mich noch einmal an mein Bookmarking-Projekt wagen sollte. Dazu kam ich aber erst im Januar 2026. Ich übergab dafür Gemini 3 meinen Code aus dem Frühjahr, samt einem sehr langen Prompt mit meiner Projektbeschreibung. Die Google-KI legte daraufhin los. Nach rund zwei Minuten präsentierte sie mir einen ersten Prototyp auf den Google-Servern, der dem, was ich mir vorstellte, zumindest optisch schon sehr nah kam. Funktional war er aber noch eingeschränkt, wie Gemini 3 auf Rückfrage eingestand. Denn dafür brauche es natürlich eine funktionierende Datenbank. Die könne ich auf einem eigenen Server oder auch über einen Dienst wie Supabase laufen lassen, empfahl Gemini. Für einen Bookmarking-Dienst sei die kostenfreie Einsteiger-Datenbank dort mehr als ausreichend.

Ich folgte der Empfehlung, legte eine SQL-Datenbank an, übergab Gemini 3 meine Daten – und es band den Prototyp an diese an. Links einfügen, Schlagworte setzen, speichern: Das alles funktionierte nach nicht einmal fünf Prompts anstandslos. Anderes wiederum nicht – oder jedenfalls nicht so ganz. Denn das LLM hatte übersehen, dass der Dienst auch ein Konten- und Login-System braucht. Das lieferte sie nach einem einfachen Hinweis jedoch sofort nach. Ebenso wie eine Schritt-für-Schritt-Erklärung, wie Nutzerkonten über den Supabase-Dienst angelegt und verwaltet werden können, der auch die Datenbank pflegt.
Etwas mehr als eine Stunde, und mein privates Del.icio.us war in seinen Grundzügen bereits nutzbar. Aber das war natürlich nicht genug.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
In den vergangenen Wochen habe ich meinen zwischenzeitlich Linkkiste getauften Bookmarking-Dienst an den Abenden und Wochenenden nach und nach auf- und ausgebaut – und aus der Google-Sandbox auf einen echten Server umgezogen. Die einfache Lesezeichen-Funktion wurde um eine Später-Lesen-Markierung und eine Möglichkeit erweitert, Links auch in Ordner abzulegen. Ein externer Dienst erlaubt es zudem, Bookmarks nach dem Einfügen der URL automatisch mit einer Beschreibung zu versehen. Ebenso existiert die Möglichkeit, die verlinkten Websites mit einem Klick zu archivieren und eine Kopie auf einem externen Dienst abzulegen – für den Fall etwa, dass ein Artikel oder Social-Media-Eintrag gelöscht werden sollte.
Darüber hinaus gibt es die Option, mit einem einzigen Klick ein verschlüsseltes Backup der Datenbank zu erstellen und für jeden Nutzer sich seine Bookmarks als Excel- oder XML-Datei herunterzuladen. Dazu habe ich die Nutzeroberfläche angepasst und optimiert. Das Layout und die Farbgebung sind eine erkennbare Hommage an Del.icio.us. Aber insgesamt hat die Linkkiste dennoch einen eigenen Charakter entwickelt. Außerdem habe ich ein kleines Browser-Plugin generiert und die mehrheitlich in TypeScript, HTML und React konstruierte Web-Applikation als Progressive Web App optimieren lassen. Dadurch lässt sie sich einfach auf das Smartphone laden, funktioniert dort wie eine normale App und lässt sich ebenso gut bedienen.

Die eingesetzte Nettozeit für all das dürfte vielleicht ein halber bis ein Tag gewesen sein. Das ist ein echter Fortschritt gegenüber meinem ersten Anlauf 2025. Ganz problemlos war der Vibe-Coding-Weg zum jetzt nutzbaren Bookmark-Dienst aber leider auch nicht. Immer wieder zeigten sich neben den Fähigkeiten auch die Inkonsistenzen und Grenzen des Vibe Coding. Oder, eher: der aktuellen KI-Systeme, die dafür genutzt werden.
Mehrfach optimierte Gemini 3 Pro zusätzlich zu einer eigentlich belanglosen Änderung ohne Rückfrage den Code mehrere Dateien – und löschte dabei einmal das Login-Fenster und ein anderes Mal die Ordner-Funktion, was ich erst bemerkte, als es schon zu spät war, weshalb ich eine alte Version der Linkkiste wiederherstellen musste.
Gemini 3 Pro vergaß, dass es bereits eine Stichwort-Funktion gab, und baute sie ein zweites Mal ein.
Die KI hat die Verschlagwortung ohne einen Hinweis von der Datenbank in den Browser-Speicher verlegt. Dadurch wären die Tags verschwunden, wenn ich die Linkkiste in einem anderen Browser öffne.
Einige Male nutzte die KI für das Einbauen von Funktionen Web-Technologien, die ich für das Projekt untersagt hatte, weil sie es unnötig komplex und anspruchsvoll machen würden.
Das Sprachmodell sollte eine Funktion in der Einstellungsseite von oben nach unten verschieben. Das tat es. Zusätzlich änderte es die Farbgebung der gesamten Seite.
Mehr als zehn Mal gestaltete Gemini ohne Grund die Login-Seite um und entfernte dabei einen Hinweis für neue Nutzer, der ihnen die Einrichtung auf einem eigenen Server vereinfachen sollte.
Wiederholt fand Gemini 3 Pro einen Verweis auf einen Button der Website, der entfernt worden war. Statt den Eintrag, wie angewiesen, aus der Datei zu löschen, stellte es den Button wieder her.
Gemini 3 vergaß oder ignorierte mehrfach, welche Version der Programmbibliothek React auf der Seite genutzt wurde, und sorgte dadurch für Konflikte zwischen einzelnen Bestandteilen.
Das kostete zuweilen echt Nerven. Der Grund für dieses Verhalten? Davon gibt es mehrere. Teils lässt es sich mit dem Fehlen von echtem technischem Verständnis und für die Modelle nicht klar überprüfbaren Unterschieden zwischen einzelnen Arbeitsschritten und Software-Versionen erklären. Auch typische KI-Halluzinationen sind ein Problem. Aber vor allem wird die mit der zunehmenden Länge des Chats stattfindende Ausreizung des Kontextfensters zu einer Fehlerquelle. Denn die Künstliche Intelligenz kommt, je länger die Entwicklung sich hinzieht, an die Grenzen ihrer Gedächtniskapazität. Um den Chat weiterführen zu können, werden daher Dialoge, Beschreibungen und Anweisungen durch grobe Zusammenfassungen ersetzt. Dabei gehen Kontexte, Details und auch konkrete Befehle an das Modell verloren, die es ursprünglich ohne Probleme berücksichtigen konnte.
Wie ich aus dem Vibe-Coding-Sub auf Reddit erfuhr, kann hier ein Single Source of Truth helfen. Dabei handelt es sich um einen kompakten Text, der über die ganze Vibe-Coding-Session hinweg zum Beispiel in einem Dokument gepflegt wird. Darin hält man Anforderungen, Feature-Listen, Dos und Dont‘s, Informationen zu Schnittstellen und Dateien und mehr fest, die die KI nicht vergessen soll. Vor jedem neuen Chat wird damit das Gedächtnis der KI aufgefrischt. Dessen Pflege machte zumindest mir letztlich fast mehr Arbeit als das eigentliche Vibe Coden.
Daneben half es auch, sich nicht allein auf Gemini 3 Pro und das Google AI Studio zu verlassen. Wie bereits bei den Projekten zuvor, habe ich auch bei der Linkkiste andere Modelle die Arbeit der hauptsächlich genutzten KI überprüfen lassen. In diesem Fall nutzte ich das KI-Entwickler-Tool OpenCode und Modelle wie DeepSeek V3.2 und Kimi K2, die bei ihren Code-Checks Redundanzen fanden und Code-Überbleibsel aus früheren Versionen entfernten, die nicht mehr gebraucht wurden. Zum Teil schlugen sie aber auch kleinere Optimierungen vor, die durchaus nützlich waren – und wohl auch noch sein werden.
Emyn Reader

Noch während ich an der Linkkiste bastelte, wollte ich schauen, was sonst noch für mich machbar wäre. Daher startete ich ein weiteres, etwas ambitionierteres Vibe-Coding-Projekt: einen modernen Feed Reader à la Feedly oder dem leider 2017 eingestellten AOL Reader, der jedoch gleichzeitig die Funktionalität der Linkkiste integriert haben sollte. Auch hier investierte ich einige Stunden und einiges an Frustration. Wobei am Ende durchaus ein im Kern mehr oder minder funktionierender Feed Reader samt Bookmarking-Integration stand.
Jedoch braucht es wohl Entwickler mit deutlich mehr Erfahrung und Verständnis, um ihn in ein stabiles und auch sicheres Werkzeug zu verwandeln. Denn dafür genügen meine Kenntnisse und mein Können derzeit nicht. Daher habe ich Emyn auf GitHub als freies Software-Projekt veröffentlicht, das jeder gerne nutzen oder weiterentwickeln kann.
Denn auch wenn ich mittlerweile die Linkkiste auf GitHub veröffentlicht habe, so dass auch andere sie nutzen können, ist die Arbeit nicht vorbei. Ich bin sicher, dass mein kleiner Bookmarking-Dienst noch einige Fehler und Löcher hat. Immer wieder fallen mir mal mehr, mal weniger offensichtliche Macken, Marotten und Fehlstellen auf, die ich nicht gleich bedacht habe. Beispielsweise, wie die Linkkiste reagieren soll, wenn ein Link zweimal gespeichert wird. Oder wenn Tags mal in Groß-, mal in Kleinschreibung gesetzt werden. Da bleibt noch einiges zu tun. Aber auch so hat sie sich bereits zu einem Werkzeug entwickelt, das ich mittlerweile fast täglich nutze.
Reanimiert Vibe Coding das Web 2.0?
Sicher, im Vergleich mit anderen Vibe-Coding-Projekten – ich habe beispielsweise gesehen, dass jemand mit KI-Unterstützung ein komplettes Betriebssystem gecodet hat – ist mein kleiner Bookmarking-Dienst alles andere als bemerkenswert. Aber er taugt dennoch als Beleg dafür, wie schnell sich die Vibe-Coding-Möglichkeiten selbst binnen weniger Monate weiterentwickelt haben. Wie stark die Einstiegshürde in der Software- und Web-Entwicklung gesunken ist. Wie einfach es mittlerweile geworden ist, eine Idee in eine nutzbare Plattform umzusetzen – für sich selbst, für ein kleines Team, für die Open-Source-Community oder für ein Meeting, um den Chef von einer fixen Idee zu überzeugen. Oder, wenn man sich traut und noch erfahrene Entwickler für die eigene Vision gewinnen kann, als nutzbare Plattform für die ganze Welt da draußen.
Trotzdem zeigte mir mein Exkurs, dass das Vibe Coding der utopischen Vorstellung eines KI-Programmierers heute zwar näherkommt als noch vor Monaten, aber noch nicht vollständig entspricht. Aktuelle KI-Werkzeuge und -Modelle können bereits erstaunlich gut menschliche Ideen in funktionierende Anwendungen umsetzen. Gerade als ich diesen Text schreibe, sorgt Claude Code beispielsweise für einen Begeisterungssturm, da es noch selbstständiger und cleverer coden kann. Aber die Fähigkeiten der Modelle und Tools haben weiterhin Grenzen. Der Vibe-Coder ist in vielen Fällen eher ein KI-Orchestrator, der immer wieder eingreifen, reagieren und selbst handeln muss, als jemand, der nur seine Wünsche formuliert – und die KI macht dann komplett selbstständig. Dennoch: Selbst wenn die KI-Systeme noch Fehler machen und echt Kopfschmerzen bereiten können, besitzen sie das Potenzial, das World Wide Web, wie wir es die letzten Jahre erlebt haben, radikal zu verändern.

Du möchtest dich auch im Vibe Coding versuchen und dabei Unterstützung, Tipps und Tricks von erfahreneren Vibe-Codern erhalten? Dann komm doch zum 1E9 Vibe Coding-Workshop! Das Team von 1E9 zeigt dir hier an einem Tag, wie man nur mit natürlicher Sprache programmiert und eigene Projekte umsetzt, die nicht im Browserfenster verpuffen.
19. März 2026, 09:00 – 18:00, 1E9 @ Forum der Zukunft, Deutsches Museum, München
Noch nie war es so einfach, eine gefühlte Leerstelle zu füllen oder Alternativen zu schaffen. Ein moderner Eventplaner, der keine Datenkrake ist? Das lässt sich jetzt auch selbst umsetzen. Man muss nur anfangen, aus der Idee ein nachvollziehbares Konzept zu entwickeln und bei der Umsetzung durchhalten. Das alte ICQ oder den AOL Instant Messenger wieder aufleben lassen? Als Solo-Projekt ist das nicht einfach. Wer jedoch einige Mitstreiter und Mitmacher rekrutieren kann, könnte so etwas durchaus auf den Weg bringen. Und wer braucht schon Website-Baukästen, wenn man einem KI-Modell seine Traumwebsite diktieren und sie mit der passenden Anleitung günstig ins Internet bringen kann?
Dabei mag sicherlich viel halbgare Software und jede Menge nutzloser Web- und App-Slop herumkommen. Aber eben nicht nur das. Es ist vielleicht ein allzu optimistischer Gedanke: Vielleicht ist das Vibe Coding nicht nur für mich ein kleiner Schritt zurück ins Web 2.0. Sondern für alle. Für das Internet. Ironischerweise könnte diese von den Tech-Giganten mit Milliardensummen finanzierte Technologie genau das Werkzeug sein, um den großen Tech-Unternehmen wie Meta, Google und Co. mit eigenen Diensten, freien Projekten, neuen Netzwerken und Programmen entgegenzutreten und ambitionierte Visionen wie ein wieder weniger Plattform-zentriertes Internet und das Fediverse zu befeuern. Vielleicht kann das Internet- und Software-Universum durch kreative Menschen, mutige Entwickler und Künstliche Intelligenz in seiner jetzigen Form aufgelöst und dezentraler werden.

Michael Förtsch
Leitender Redakteur
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