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19. Mai 2026

Mithilfe dieser Technik kann eine KI einen Menschen steuern


Für einen Wettbewerb haben Studierende in den USA eine Möglichkeit entwickelt, einer Künstlichen Intelligenz die Kontrolle über einen menschlichen Körper zu ermöglichen. Die Technologie könnte bei Therapien und Lernprozessen zum Einsatz kommen. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit zum Missbrauch.


Von Michael Förtsch

 

Als der Techno-Thriller Upgrade vor rund acht Jahren in die Kinos kam, erhielt er trotz guter Kritiken zunächst nicht sonderlich viel Beachtung. Erst in den Jahren darauf entwickelte sich der Film von Regisseur Leigh Whannell langsam zu einem Sci-Fi-Geheimtipp. Vor allem aufgrund seiner inzwischen erstaunlich akut wirkenden Thematik. Denn in Upgrade erhält der nach einem Überfall und einer Schussverletzung querschnittsgelähmte Mechaniker Grey Trace die Chance, durch einen experimentellen Computerchip im Nacken seine Mobilität zurückzubekommen. Was er zunächst nicht weiß: In dem Chip steckt eine fortschrittliche Künstliche Intelligenz, die die Kontrolle über seinen Körper übernehmen kann. Sie bietet dem Mechaniker nun die Möglichkeit, sich an seinen Peinigern zu rächen. Denn die KI lässt seinen Körper Dinge tun, die er für unmöglich hielt. Das klingt nach einer überzogenen Science-Fiction-Vision, aber einige Studierende haben diese nun realisiert.

 

Human Operator ist ein Werkzeug zur Erweiterung menschlicher Fähigkeiten“, beschreibt der Cornell-Student Peter He im Gespräch mit 1E9 das von ihm und fünf Kommilitonen für den KI-Entwicklungswettbewerb MIT Hard Mode realisierte Projekt. „Es erlaubt einer KI, vorübergehend die Kontrolle über deinen Körper zu übernehmen.“ Aufgebaut ist Human Operator als ein Geschirr aus elektrischen Elektroden, die entlang der Muskelstränge auf Arme und Hände geklebt werden – und Signale von einer kleinen Steuereinheit erhalten. Eine Künstliche Intelligenz kann die Elektroden über die Steuereinheit aktivieren, leichte elektrische Impulse aussenden und dadurch Kontraktionen in den Muskeln des Trägers auslösen. Diese sorgen unweigerlich für Bewegungen, die sich gezielt gesteuert zu komplexen Abfolgen aneinanderketten lassen. Wenn auch bisher nur in sehr begrenztem Umfang.


 

Die futuristische Natur von Human Operator ist den Studierenden durchaus bewusst. In Teilen sei das Konzept tatsächlich durch verschiedene Science-Fiction-Visionen und „spekulatives Design“ inspiriert, erklärt der MIT-Media-Lab-Student Valdemar Danry, der die Grundidee zu Human Operator gemeinsam mit Peter He ausgearbeitet hat. „Mich hat fasziniert, was wohl passiert, wenn KI vom Bildschirm in die reale Welt kommt – und physisch wird“, so Danry. Er habe deshalb bereits seit Jahren über eine Technologie wie Human Operator nachgedacht. Für Peter He war Human Operator aber auch eine logische Folge seiner bisherigen Interessen und Forschungsarbeiten – darunter die Nutzung von elektromagnetischer Stimulation als Rehabilitationssystem in Kombination mit Virtual Reality.

 

Wie die KI den Körper steuert

 

Wie die Studierenden in einem YouTube-Video und weiteren Clips auf einer Projekt-Website zeigen, erlaubt Human Operator durchaus vielfältige Bewegungsabläufe. Auf ein „Hallo, KI“ hin kann das KI-System die Hand eines Menschen winken lassen. Es kann Finger stimulieren, um die richtigen Tasten auf einer Klaviertastatur anzutippen. Auch Striche mit einem Stift ziehen und Stein-Schere-Papier spielen kann es. „Wir bekamen etwas Gegenwind, weil wir auch das Mixen eines Cocktails als zukünftige Anwendung in einem Clip zeigten“, sagt Peter He. „Aber auch das wäre technisch total machbar, selbst wenn man dafür deutlich mehr Elektroden bräuchte – und zwar über den ganzen Arm verteilt.“ Denn die Technik selbst sei nicht besonders komplex – und einfach zu skalieren, meinen die Studierenden.

 

Die Basis für Human Operator ist ein Arduino-Minicomputer, der mehrere kleine Steuerelemente kontrolliert. Diese wiederum verwalten die einzelnen Elektroden, die die elektrischen Impulse aussenden. Der Arduino ist über eine Schnittstelle mit der Anthropic-KI Claude gekoppelt, der zuvor Informationen über den Aufbau und die Funktionsweise von Human Operator mitgeteilt wurden. „Außerdem haben wir eine Kamerabrille mit Claude verbunden, damit die KI erkennen kann, was der Benutzer gerade tut“, so Peter He. Dazu kommt noch ein Mikrofon, über das die KI direkt angesprochen werden kann.

 

Laut den Studierenden sei es nicht nötig gewesen, der Künstlichen Intelligenz zu erklären, welche Muskeln sie ansprechen muss, um bestimmte Bewegungen und Gesten zu initiieren. Das Studierendenteam habe der KI lediglich mitgeteilt, welche Körperteile sie steuern kann und soll – also, welche Elektroden an welchen Bereichen von Arm und Hand angebracht sind. „[Die KI] wusste von vornherein, dass die Betätigung des Handgelenks eine Hallo-Geste ausführen würde“, so Peter He. Derartiges Wissen brachte das KI-Sprachmodell von Anthropic bereits mit. Denn die Daten, mit denen es trainiert wurde, enthielten auch unzählige medizinische und anatomische Informationen, die die Funktionsweise von Muskeln und EMS-Therapie beschreiben.

 

Wie Valdemar Danry erklärt, sei es dadurch unkompliziert möglich, mit der KI zu kommunizieren und ihr Aufgaben zu geben, die sie mit den „geliehenen“ Körperteilen ausführt. Beispielsweise kann ihr gesagt werden, sie solle ein Quadrat mit einem gehaltenen Stift zeichnen. Dieses Kommando werde durch Claude aufgenommen, mit den Bildern der Kamerabrille abgeglichen, interpretiert und in die nötigen Schritte als Befehlskette übersetzt. „Im Grunde gibt das LLM eine Liste von Kommandos mit Timing zurück“, so Danry. „Beispielsweise: Bewege den Zeigefinger zu Zeitpunkt X für die Dauer von Y.“ Diese Befehle würden durch ein Computerskript auf dem Arduino analysiert, in konkrete Steuerbefehle konvertiert und die Elektroden entsprechend aktiviert.

 

Zwischen Assistenz und Kontrollverlust

 

Human Operator ist ein Projekt, das in nur wenigen Tagen realisiert wurde. Dennoch sehen die Entwickler in der Idee durchaus großes Potenzial. Unter anderem, um Menschen mit Krankheiten zu helfen, die Muskel- und Koordinationsschwächen zur Folge haben. Zwar gebe es in diesem Bereich bereits Hilfswerkzeuge, die auf Elektrostimulation setzen, diese seien aber oft eher rudimentär, wie die Studierenden sagen. „Die naheliegendste Anwendung abseits davon ist, neue Fähigkeiten zu erlernen“, sagt He. Mit genügend Elektroden könne ein KI-gesteuertes Geschirr wie Human Operator einem Menschen komplexe Bewegungsabläufe demonstrieren oder Bewegungen korrigieren. Etwa beim Spielen eines Instruments oder beim Schlagen mit einem Tennis- oder Golfschläger.


Bislang darf Human Operator nur eine Hand und einen Arm lenken.
Bislang darf Human Operator nur eine Hand und einen Arm lenken.

 

Der MIT-Student Danry glaubt, dass eine solche Technologie auch Menschen helfen könnte, nervige Alltagsherausforderungen zu bewältigen, die sonst professionelle Hilfe erfordern. „Warum sollte eine KI nicht einfach den Körper von jemandem kontrollieren, um ihn Dinge erledigen zu lassen, die er eigentlich nicht kann?“, sagt er. Sei es etwa, einen Abfluss oder Motor zu reparieren oder ein IKEA-Regal zu montieren. Wenn eine solche Technologie wie Human Operator genügend hochentwickelt und präzise wäre, könnte sie aber auch in der Medizin eingesetzt werden, um Ärzten bei schwierigen Operationen zu helfen. Auch im Militär wäre ein Einsatz denkbar, etwa um die Reaktionszeit und Zielgenauigkeit von Soldaten zu verbessern.

 

„Natürlich gibt es aber auch das Potenzial des Missbrauchs der Technologie – etwa falls jemand die Elektroden einer Person implantieren würde und sie sich nicht mehr einfach entfernen ließen“, sagt He. Dadurch könnte eine Technologie wie Human Operator genutzt werden, um jemanden gegen seinen Willen handeln zu lassen. Ein Soldat könnte etwa durch die KI auf Anweisung der Vorgesetzten gezwungen werden zu schießen, obwohl er den Befehl verweigern will. Genau für solche Fälle brauche es laut Danry sowohl technische als auch politische Lösungen, wenn ein solches technisches Konzept weiterentwickelt wird. Ob und wie das durch das Team von Human Operator passiert, ist noch offen. Aber laut He gebe es durchaus großes Interesse. Mehrere Risikokapitalgeber hätten sich bereits gemeldet. „Es gibt wohl viele, die wollen, dass wir ein Start-up gründen“, sagt He. Konkrete Pläne dafür gebe es derzeit aber nicht.

Michael Förtsch

Michael Förtsch

Leitender Redakteur

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Kommentare (2)

Jose Gardner
vor 5 Tagen

Space Waves is a fast-paced arcade game where players control a moving wave through narrow paths. The goal is to avoid obstacles and survive as long as possible while the speed gradually increases.

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xie lili
28. Mai

I tried Drive Mad during a short break and ended up playing far longer than expected. The physics feel simple at first, but every level pushes your timing and control in a different way.


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Überschrift 3

Cooler Artikel!

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Cooler Artikel!

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