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28. April 2026

Künstliche Intelligenz hat bei der Gen-Z ein Image-Problem


Sind junge, technikaffine Menschen automatisch Fans von Künstlicher Intelligenz? Aktuelle Erhebungen deuten eher in die entgegengesetzte Richtung. Die Mitglieder der sogenannten Gen Z stehen KI kritisch gegenüber – sind teils verängstigt und wütend wegen der möglichen Auswirkungen der Technologie. Junge Berufstätige sabotieren sogar KI-Initiativen in ihren Firmen.

 

Von Michael Förtsch

 

Derzeit werden Milliarden in die Entwicklung immer fähigerer KI-Modelle und die dafür benötigten Data Center investiert. KI-Funktionen finden ihren Weg in alle möglichen Geräte und Software-Programme: von modernen Betriebssystemen über Spielzeug bis hin zu E-Zigaretten. Während sich viele Menschen begeistert mit der neuen Technologie befassen und damit experimentieren, zeigt sich bei ebenfalls vielen Menschen eine wachsende Skepsis und sogar ein Widerstand gegen Künstliche Intelligenz. Auffällig ist dabei, dass es nicht nur Ältere sind, die der neuen Technologie kritisch begegnen. Sondern gerade auch Jüngere. Das könnte für die KI-Industrie ein schlechtes Omen sein.

 

Die Mitglieder der sogenannten Gen Z gelten normalerweise als sehr technikaffin. Für sie ist digitale Technologie eine Selbstverständlichkeit. Sie sind mit dem Internet, Social Media und Smartphones aufgewachsen. Laut einer Erhebung des Analyse- und Beratungsunternehmens Gallup, des Investmentunternehmens GSV Ventures und der Walton Family Foundation ist diese Gruppe der 14- bis 29-Jährigen gegenüber Künstlicher Intelligenz jedoch höchst ambivalent eingestellt. Dabei nutzt sie die Technologie regelmäßig. Die Ergebnisse deuten sogar dahin, dass häufigere Nutzung nicht zu mehr Begeisterung oder Offenheit führt, sondern eher eine gegenteilige Wirkung hat. Je größer die Erfahrung mit Künstlicher Intelligenz ist, umso kritischer wird der Technologie begegnet.

 

„Etwas mehr als die Hälfte der Generation Z gibt an, generative KI mindestens einmal pro Woche zu nutzen“, so die Studie. Rund 22 Prozent nutzen KI laut den Angaben der Befragten täglich. Das sind Werte, die sich laut Gallup gegenüber einer Erhebung aus dem Vorjahr kaum verändert haben – obwohl Künstliche Intelligenz immer breiter verfügbar ist, immer aggressiver beworben wird und die Nutzung in vielen anderen Feldern generell zunimmt. Was sich jedoch sichtbar verändert habe, sei die Einstellung gegenüber Künstlicher Intelligenz: „Die negativen Emotionen haben sich im Laufe des letzten Jahres verstärkt“.


31 Prozent der Gen Z sind wütend auf KI


Waren laut Gallup im Jahr 2025 noch 36 Prozent der mehr als 1.500 Befragten begeistert und 27 Prozent hoffnungsvoll, was Künstliche Intelligenz betrifft, sind es jetzt nur noch 22 beziehungsweise 18 Prozent. Zwar ist knapp die Hälfte demnach immer noch neugierig auf die Technologie, aber der Anteil jener, die vor allem wütend sind, hat um 9 Prozentpunkte zugenommen – auf rund 31 Prozent. Noch mehr gaben an, dass sie Angst vor Künstlicher Intelligenz und deren Implikationen haben. „Selbst tägliche Nutzer von KI, die diesen Technologien im Allgemeinen positiver gegenüberstehen, sind im Laufe des letzten Jahres weniger optimistisch geworden“, so die Studienautoren.

 

Die Hälfte der Befragten war der Meinung, dass die Risiken von Künstlicher Intelligenz die Vorteile der Technologie überwiegen. Sie fürchten beispielsweise negative Auswirkungen auf grundlegende kognitive und berufliche Fähigkeiten, darunter kritisches Denken, Kreativität und Lernvermögen. Rund 38 Prozent fanden, dass Künstliche Intelligenz beim Entwickeln neuer Ideen eher schade als nutze. Außerdem vertrauen viele Berufstätige aus der Gen Z den Ergebnissen von KI-Inhalten im Arbeitsumfeld nicht. Hinzu kommen Befürchtungen, dass die Technologie den Einstieg in die Berufswelt erschweren und ein ökonomisch unsicheres Klima schaffen wird. Nur knapp über die Hälfte der Befragten gab derweil an, dass KI-Technologie ihnen helfe, Arbeit schneller zu bewältigen.

 

In eine ähnliche Richtung weist auch eine weitere aktuelle Befragung. Laut einer Untersuchung der KI-Firma Writer und des Marktforschungsunternehmens Workplace Intelligence sind zahlreiche junge Berufstätige aus der Gen Z mit Künstlicher Intelligenz und den dadurch ausgelösten Verwerfungen nicht zufrieden. Vor allem nicht damit, dass und wie die Technologie in ihren Unternehmen eingesetzt wird und wie ihre Nutzung dort durchgesetzt werden soll. Diese Aversion geht zum Teil so weit, dass KI-Initiativen aktiv von der jungen Belegschaft sabotiert werden.


Arbeitsbelastung, Sicherheitsprobleme, Angst vor Jobverlust


Rund 29 Prozent aller befragten Wissensarbeiter – etwa Verwaltungsangestellte, Werbetexter, Marketingautoren usw. – aus verschiedenen Branchen gaben in der Umfrage an, die KI-Projekte ihrer Unternehmen zu untergraben. Bei den Mitgliedern der Gen Z waren es sogar 44 Prozent, die eine solche aktive Sabotage beschrieben. Konkret würden sie beispielsweise gezielt minderwertige Ergebnisse mit den KI-Werkzeugen produzieren, KI-Tools nicht mit allen nötigen Informationen für brauchbare Resultate versorgen, nicht genehmigte KI-Werkzeuge nutzen oder vertrauliche Informationen in Chatbots eingeben, obwohl sie wissen, dass dies eine schlechte Arbeitspraxis ist.

 

Als Gründe für diese Sabotageakte nannten 20 Prozent eine zusätzliche Arbeitsbelastung durch Künstliche Intelligenz. 28 Prozent sagten, dass sie stillschweigend gegen Sicherheitsprobleme durch Künstliche Intelligenz protestieren wollen. Und rund 30 Prozent sehen die drohende Automatisierung ihres Jobs als Bedrohung, gegen die sie mit subversiven Mitteln vorgehen wollen. Der Report macht daran auch ein klares Versagen der Unternehmen fest. Diese müssten die Mitarbeiter stärker einbeziehen, Transparenz hinsichtlich ihrer KI-Initiativen schaffen und auch den möglichen Verlust von Arbeitsplätzen klarer ansprechen und die damit verbundenen Ängste ernster nehmen und abbauen.

 

Allgemein sehen Beobachter jedoch eine zunehmende KI-Skepsis und einen Vertrauensverlust. Dieser könnte in aktiven Widerstand und Proteste münden, schreibt die Fortune-Autorin Beatrice Nolan. Insbesondere junge Menschen, die bereits negative Erfahrungen mit Social Media gemacht haben und schon heute für mehr Klimaschutz oder gegen Tech-Macht protestieren, könnten gegenüber KI deutlich konfrontativer werden. Auch deshalb, weil die KI-Firmen selbst bislang ziemlich schlecht darin sind zu erklären, wozu ihre Werkzeuge eigentlich gut sein sollen – außer Texte zu schreiben und Bilder oder Videos zu generieren. Also etwa neue Medikamente zu entwickeln, das Wetter genauer vorherzusagen oder Krankheiten besser zu erforschen.


Michael Förtsch

Michael Förtsch

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