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17. April 2026

Eustella: Ein Start-up arbeitet an einem KI-Assistenten für Europa


Ein österreichisches Start-up arbeitet an einem agentischen KI-Assistenten nach dem Vorbild von OpenClaw. Dieser soll jedoch deutlich sicherer und einfacher benutzbar sein, um auch technisch weniger versierten Nutzern eine Hilfe zu sein. Dazu soll der Dienst auf europäische Server und Open-Source-Modelle setzen. Das Unternehmen hofft auf Millionen von Nutzern.

 

Von Michael Förtsch

 

Der vom Österreicher Peter Steinberger entwickelte KI-Assistent OpenClaw ist zu einem internationalen Phänomen geworden. Er kann Computer selbstständig bedienen, durch neue Fähigkeiten erweitert werden, Problemlösungen erarbeiten, sich selbst Programme coden und sich den Vorlieben und Vorstellungen seines Nutzers anpassen. Privatpersonen und Firmen setzen ihn mittlerweile ein, um in allen Lebenslagen zu assistieren, Prozesse zu automatisieren und vor allem, um zu experimentieren. Mittlerweile hat OpenClaw durch ähnliche Projekte starke Konkurrenz bekommen. Dazu gehören Hermes Agent, PicoClaw, Nanobot und andere, die das KI-Agenten-Konzept in puncto Sicherheit und Fertigkeiten teils optimieren. Für Durchschnittsnutzer sind diese aber allesamt nicht wirklich geeignet. Wer sie einrichten und zumindest annähernd sicher bedienen will, braucht einige technische Vorkenntnisse.

 

„Für manches braucht man fast schon Expertenwissen. Das kann einen schon ziemlich überwältigen“, sagt Matteo Rosoli zu 1E9. Er ist Leiter und Mitgründer des österreichischen KI-Start-ups Newsrooms AI. Das Unternehmen entwickelt seit 2024 eine KI-gestützte Plattform mit Schreibassistenten, Transkriptionsdiensten und weiteren Tools für Marketing- und Kommunikationsaufgaben sowie für Medienunternehmen. Damit ist die kleine Firma durchaus erfolgreich. Nun plant sie, einen eigenen KI-Agenten nach dem Vorbild von OpenClaw und Co. zu starten – einen, der für jeden nutzbar ist. Damit soll das Wiener Start-up „zu dem KI-Unternehmen werden, das Peter Steinberger hätte aufbauen können“, wenn er Europa nicht verlassen hätte, um bei OpenAI zu arbeiten.

 

Wie Rosoli erklärt, sei diese Ambition aber nicht erst durch den Hype um OpenClaw entstanden. Das Team habe bereits im vergangenen Jahr die Entwicklung von agentischen KI-Systemen beobachtet. „Das war noch bevor OpenClaw kam“, betont Rosoli. Schon damals habe es bei seinen Firmenkunden sowie bei anderen europäischen Unternehmen viel Interesse daran gegeben, aber auch einiges an Skepsis. Denn viele der Systeme zur Nutzung von KI-Modellen als selbsthandelnde Agenten kämen eben aus den USA und China. Wie dort eigene Daten verarbeitet werden und wo sie hinfließen, bereite diesen Firmen durchaus Sorgen.

 

„Die Datensouveränität ist vielen europäischen Unternehmen mittlerweile sehr wichtig“, sagt Rosoli. „Es gab daher ein extremes Interesse an europäischen Lösungen.“ Deshalb experimentierte das Team damit, agentische Funktionen in seine Plattform für Firmenkunden zu integrieren und diese unkompliziert nutzbar zu machen. Dann brach der Hype um OpenClaw an und dem Team wurde klar, dass KI-Agenten nicht nur für Firmen, sondern auch für viele normale Nutzer hilfreich sein könnten. „Wir haben uns gedacht: Wir haben schon unsere Infrastruktur, unser Know-how, ein ganzes System“, so Rosoli. „Es wäre doch ganz vernünftig, wenn wir das jetzt weiterentwickeln. Wenn wir daraus etwas für die europäischen Konsumentinnen und Konsumenten machen.“

 

Mehr Sicherheit

 

Der KI-Agent von Newsrooms AI soll Eustella heißen. Laut Rosoli ist er mit OpenClaw, Hermes Agent und anderen KI-Agenten durchaus vergleichbar, wurde aber vollständig selbst entwickelt. Die KI-Software ist grundsätzlich in der Lage, alles zu leisten, was ihre Vorbilder auch können. „Der große Unterschied ist, dass es eine agentische KI mit einer Nutzeroberfläche ist”, sagt der österreichische Gründer. Niemand müsse sich einen Server mieten, ein Programm über ein Textterminal auf dem Computer installieren oder sich durch Einstellungen kämpfen und mit APIs hantieren. Stattdessen soll Eustella direkt über eine aufgeräumte Chat-Oberfläche unkompliziert nutzbar sein – ähnlich wie ChatGPT oder Claude. Wahlweise über eine App auf dem Smartphone oder für den Desktoprechner.

 

Der KI-Agent wird auf europäischen Servern betrieben und agiert in einem digitalen Sandkasten mit zahlreichen Freigaben. Er kann mit externen Diensten verknüpft werden. Er soll sich mit E-Mail-, Spotify-Konten und Kalenderdiensten verbinden lassen, um diese zu verwalten. „Ich verwende ihn sehr viel für Recherchen“, sagt Rosoli selbst. Ebenso soll er über ein Memory-System verfügen, das es ihm ermöglicht, Wissen zu sammeln, um die Nutzer besser kennenzulernen und Problemlösungen nicht immer wieder neu entdecken zu müssen. „Das ist von Anfang an dabei“, sagt Rosoli. Parallel dazu arbeitet das Team bereits an einem umfangreichen Forschungsprojekt, um Gedächtnissysteme für Eustella und andere KI-Agenten deutlich zu verbessern.

 

Die Entwickler wollen Eustella aber auch gezielt Grenzen setzen – damit das Tool auch für technisch nicht oder nur wenig versierte Nutzer einsetzbar wird. Es soll daher nicht möglich sein, zusätzliche Skills, also dedizierte Fähigkeiten, wie bei OpenClaw einfach aus dem Internet herunterzuladen. „Denn oft sind das Malware oder Trojaner“, sagt Rosoli. Stattdessen soll es einen kuratierten Marktplatz geben, auf dem Skills eingereicht, überprüft und dann für die Nutzer freigeschaltet werden können – sei es eine einfache Anbindung an Lieferdienste oder die Fähigkeit Grafiken mit bestimmten Tools zu erstellen.

 

Außerdem soll die Programmierfunktion von Eustella eingeschränkt werden. „Uns ist die Sicherheit einfach wichtiger, als dass ein KI-Bot irgendwelchen Code halluzinieren kann“, begründet Rosoli. Je nachdem, wie sich Eustella entwickelt, könne es jedoch später die Möglichkeit geben, für erfahrene Nutzer weitere Funktionen auf eigenes Risiko freizuschalten. Denn Eustella soll langfristig sowohl für KI-Neulinge als auch für Hardcore-Nerds ein produktives Werkzeug darstellen. Derzeit stehe jedoch vorrangig im Fokus, Menschen, die bisher nur ChatGPT nutzten, den Einstieg in die Welt von KI-Agenten zu ermöglichen, ohne Angst haben zu müssen, etwas kaputtzumachen.

 

Alles auf EU-Servern

 

Bei Eustella stehen nicht nur Sicherheit, sondern auch Datenschutz im Vordergrund. Deshalb soll der KI-Agent nicht nur auf europäischen Servern betrieben werden. Er soll auch nur KI-Modelle nutzen, die auf EU-Servern gehostet werden. „Das klingt jetzt nicht so sexy“, sagt Rosoli. „Aber das ist wichtig für uns und mir auch ein persönliches Anliegen.“ Dadurch sollen nämlich keine Daten in die USA, China oder andere Nicht-EU-Länder abfließen, um dort für die Erstellung von Werbeprofilen oder andere zweifelhafte Zwecke genutzt zu werden. Bei den genutzten KI-Modellen selbst, das geben die Macher zu, könnte mancher aber zunächst stutzig werden. Denn es kommen chinesische Open-Source-Modelle von Deepseek, Alibaba Qwen und Moonshot zum Einsatz, die das Team jedoch zum Teil mit eigenen Daten nachtrainiert hat.

 

„In Europa gibt es leider nur Modelle von Mistral“, sagt Rossi. Die Modelle des französischen Unternehmens wären nicht schlecht, aber eben nicht so fähig wie die aktuellen chinesischen Modelle. Sie böten auch nicht die gleichen Nutzungsfreiheiten. Bei den Modellen gehe es darüber hinaus weniger um die Herkunft, sondern eher um die Möglichkeit zur Kontrolle über die Modelle. Langfristig sei es das Ideal – und möglicherweise auch das Ziel von Newsrooms AI –, ein vollständig eigenes Foundation-Modell mit eigenen Daten und Vorgaben zu trainieren. „Das würde natürlich sehr viel kosten“, sagt Rosoli. Allerdings könne es sich unter den richtigen Umständen und einer breiten Nutzerbasis durchaus lohnen, denken die Macher.

 

Tatsächlich geht das KI-Unternehmen davon aus, dass es 133 Millionen potenzielle Nutzer gibt. So viele Menschen nutzen KI bereits in Europa. „Die möchten wir bei uns sehen”, so der Leiter des Start-ups. Dass es wirklich alle erreichen und überzeugen kann, glauben die Österreicher jedoch nicht. Eine Studie hat jedoch ergeben, dass zwei Drittel aller Europäer gerne EU-Alternativen zu US-Diensten nutzen würden. „Und in diesem Bereich gibt es bei agentic AI eigentlich nur uns“, sagt Rosoli. „Selbst wenn wir nur ein Drittel dieser Nutzer hätten, wäre das schon ein ordentlicher Markt.“

Michael Förtsch

Michael Förtsch

Leitender Redakteur

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