5. April 2021
Eine Künstliche Intelligenz hat einen neuen Song von Kurt Cobain geschrieben

Am 5. April 1994 ist Kurt Cobain gestorben, der Frontmann der Band Nirvana. Nun wurde ein neuer Song von ihm veröffentlicht. Geschrieben hat den allerdings eine Künstliche Intelligenz – und auch die Musik stammt von einem Algorithmus.
Von Michael Förtsch
Heute vor 27 Jahren hat sich der Sänger und Gitarrist Kurt Cobain das Leben genommen. In seinem Haus in Seattle spritzte er sich nur kurz nach der Auflösung seiner Band Nirvana eine Überdosis Heroin und schoss sich mit einer Flinte in den Kopf. Cobain gilt als einer der besten Sänger und Nirvana als eine der einflussreichsten Bands des vergangenen Jahrhunderts – und der Tod von Cobain und das Ende von Nirvana daher als eine der tragischsten Momente der Musikgeschichte. Dennoch wurde nun ein neuer Nirvana-Song veröffentlicht. Geschrieben wurde der jedoch nicht von Cobain, sondern von einer Künstlichen Intelligenz. Hinter dem Werk steht die kanadische Organisation Over the Bridge, die damit auf psychische Krankheiten in der Musikszene aufmerksam machen will.
Der Song Drowned in the Sun kommt den echten Nirvana-Stücken, was Rhythmus und Akustik angeht, tatsächlich überraschend nahe – insbesondere erinnert er an You Know You’re Right. Und auch der Text, der von Gleichgültigkeit und dem Gefühl, „in der Sonne zu ertrinken“ handelt, hat Conbain-eske Qualität und könnte wirklich von ihm stammen, schreiben die Musikjournalisten vom Rolling Stone. Allerdings war hier eben nicht Cobain am Werk. Der gesamte Song wurde von der von Google entwickelten Künstlichen Intelligenz Magenta generiert. Die Over-the-Bridge-Mitarbeiter hatten die Künstliche Intelligenz dafür mit verschiedenen Nirvana-Songs trainiert, die in ein für Maschinen einfach lesbares Midi-Format gebracht worden waren. Anschließend wurde eine separate Künstliche Intelligenz, mit der sich Texte generieren lassen, mit Songtexten der Band gefüttert , um daraus ein neues Werk abzuleiten.
Die Ergebnisse waren nicht durchgehend überzeugend. „Es war eine Menge Versuch und Irrtum“, sagt Sean O’Connor, der das Projekt betreute. Das Team habe seitenweise Texte und viele Minuten Musik erzeugen lassen. Aus all dem wären dann die besten Stücke adaptiert und zu einem großen Ganzen zusammengesetzt worden. Letztlich stamme aber tatsächlich nahezu der gesamte Song mitsamt der Gitarren-Riffs, dem Schlagzeug und dem Bass aus dem Computer. Lediglich der Gesang ist von einem Menschen – nämlich Eric Hogan, dem Lead-Sänger einer Nirvana-Coverband. Anschließend sei das Werk noch mit Klangeffekten versehen worden, die ihm eine authentische 90er-Jahre-Ästhetik verpassten
Kurt Cobain ist nicht der erste Künstler, den Over the Bridge zurückgebracht hat. Für ein Lost Tapes of the 27 Club getauftes Album wurden bereits Jimi Hendrix, Amy Winehouse und Jim Morrison von einer Künstlichen Intelligenz imitiert. Der Titel des Albums nimmt Bezug auf den sogenannten 27 Club, eine Gruppe von bekannten Musikern, die alle im Alter von nur 27 Jahren starben. „Um der Welt zu zeigen, was durch psychische Krankheiten verloren gegangen ist, haben wir Künstliche Intelligenz eingesetzt, um das Album zu erstellen, zu dem der 27 Club nie die Chance hatte“, heißt es von Over the Bridge. Das Projekt solle dazu anhalten, das Thema psychische Gesundheit offen anzusprechen, anstatt es kleinzureden oder zu romantisieren.

Michael Förtsch
Leitender Redakteur
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