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2. März 2026

Die European Moonport Company soll Europas Raketenbahnhof auf dem Mond bauen


Ein neuer Wettlauf zum Mond hat begonnen. Damit Europa dabei nicht hintenansteht, wurde eine neue Tochterfirma des deutschen Luft- und Raumfahrtunternehmens OHB in Bayern gegründet: die European Moonport Company. Sie soll der europäischen Raumfahrt auf dem Erdtrabanten eine Heimat bieten.

 

Von Michael Förtsch

 

Es erinnert durchaus an ein Motiv, wie es auf dem Cover eines Science-Fiction-Romans zu sehen sein könnte. Da ist ein Bau mit einer geodätischen Kuppel, der von einem verglasten Ring und einem Schutzwall aus Beton umgeben ist. Auf einem Hügel befinden sich riesige Solarpaneele und Antenneninstallationen. Dann sind da noch drei kreisrunde Landeplätze für Raumfahrzeuge. Dazwischen verlaufen graue Straßen, auf denen sechsrädrige Fahrzeuge kreisen. Diese beispielhafte Vision eines europäischen Raketenbahnhofs auf dem Mond zeigt das Modell, das die European Moonport Company in Kooperation mit Luftfahrt- und Logistikexperten des Flughafens München ausgearbeitet hat. „Wie nah man dem kommt, müssen wir dann sehen. Das ist von vielen Faktoren abhängig“, erklärt Sabine von der Recke, die Leiterin der European Moonport Company, gegenüber 1E9. Weit weg von einem echten Moonport sei die Miniatur aber nicht.

 

Hinter der European Moonport Company steht der Bremer Raumfahrt- und Technologiekonzern OHB. Dieser ging vor über 40 Jahren aus der Firma Otto Hydraulik Bremen hervor, die ursprünglich Hydraulik- und Elektroniksysteme für Schiffe fertigte. Heute baut OHB hochmoderne Satelliten und Raumsonden wie ExoMars sowie Teile für Ariane-Raketen. Zudem arbeitet das Unternehmen am geplanten Mondlander Argonaut für die Europäische Raumfahrtagentur ESA. Wie Sabine von der Recke berichtet, beschäftigt sich OHB daher bereits seit einigen Jahren mit der Idee einer dauerhaften Präsenz auf dem Mond. „Dabei kommt man schnell zu dem Punkt, dass wir natürlich nicht nur einmal, sondern immer wieder dorthin wollen“, bestärkt die European-Moonport-Company-Chefin. „Und da kommen wir zum Konzept eines Flughafens – oder eben eines Moonports.“ Aber eben nicht irgendeines Moonports, sondern eines europäischen Moonports.

 

Denn wie Sabine von der Recke sagt, haben sich die Spielregeln der Raumfahrt in den letzten Jahren geändert. Die politische Ausrichtung der USA hat sich dramatisch verschoben, wodurch sich auch die Verlässlichkeit der NASA und der US-Raumfahrtindustrie als Partner verändert hat. Man habe sich „zu lange von den Amerikanern abhängig gemacht”. Hinzu kommt, dass neben den USA auch China und Russland zum Mond wollen –um selbst eine dauerhafte Präsenz auf dem Erdtrabanten zu etablieren. „Wir können nicht einfach das Recht des Stärkeren gelten lassen, wenn es um den neuen Wettlauf zum Mond geht“, sagt Sabine von der Recke. „Wenn wir unsere europäischen Werte bei einer Rückkehr zum Mond gesichert wissen wollen, dann müssen wir uns entsprechend aufstellen und dafür sorgen, dass wir das mit eigenen Partnern erreichen können.“

 

Eine enorme Anstrengung

 

Die Idee eines Mondbahnhofs ist das eine. Die Planung, der Bau und die Inbetriebnahme sind jedoch eine ganz andere Sache. Da ist Sabine von der Recke ganz offen. „Das alles wird natürlich eine enorme Anstrengung“, sagt sie. Bevor überhaupt irgendetwas auf der Mondoberfläche passieren könne, brauche es viel Forschung und Entwicklung sowie unzählige Studien. „Wo ist eigentlich der richtige Ort für einen Moonport? Welches Material und welche Maschinen müssen wir am Anfang hochbringen? Welche Baustoffe können vor Ort gewonnen und auf welche Weise verarbeitet werden?“, nennt Sabine von der Recke einige der zu klärenden Fragen. „Was sind dabei die Herausforderungen? Welche Probleme können Temperatur, Strahlung und das Regolith, also der Mondstaub, machen? Was kann alles von Robotern erledigt werden – wofür braucht es dann Menschen?“


Ein Modell des möglichen Moonports. Erarbeitet wurde dieses zusammen mit Experten des Flughafens München. © OHB
Ein Modell des möglichen Moonports. Erarbeitet wurde dieses zusammen mit Experten des Flughafens München. © OHB

 

All diese Fragen und Hindernisse soll die European Moonport Company keineswegs allein beantworten und bewältigen. „Exploration ist immer ein Teamsport“, sagt Sabine von der Recke. „Ein Grund für die Gründung war die Absicht, verschiedenste Kompetenzen zu bündeln und offen für andere zu sein.“ Denn auch wenn die Firma und ihr Mutterunternehmen OHB viel Know-how und technologische Fähigkeiten vereinen, braucht es für eine solch monumentale Aufgabe zahlreiche Mitstreiter aus Europa – und darüber hinaus. Daher soll das Unternehmen auch als Knotenpunkt und Innovationszentrum für ein Ökosystem aus Denkern, Ingenieuren und Machern dienen. Das Gleiche gilt für den Betrieb und die Nutzung des Moonports. Die Kernaufgabe der European Moonport Company sei es, den Raketenbahnhof auf dem Mond als Infrastruktur zu realisieren und damit anderen die Möglichkeit zu geben, auf dem Mond tätig zu werden.

 

„Es gibt Firmen und Institutionen, die bereits jetzt auf der Erde in ihren Tätigkeitsfeldern sehr erfolgreich sind und auch auf dem Mond erfolgreich sein könnten“, sagt Sabine von der Recke. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, diesen Unternehmen die Möglichkeiten zu geben und sie dabei zu unterstützen, diese Pläne umzusetzen.“ Als Beispiel nennt die Raumfahrtmanagerin den Bergbau. Die European Moonport Company könne dabei helfen, „die spezialisierten Arbeitsgeräte und Maschinen mondtauglich zu machen“. Auch bei Erfolgs- und Gefahrenanalysen könne das Unternehmen beratend tätig werden. Denn: „Der Mond ist keine Umgebung, in der es wahnsinnig kuschelig ist“, sagt sie. „Da muss man gut vorbereitet sein.“

 

Die European Moonport Company meint es ernst


Laut Sabine von der Recke könnte ein europäischer Moonport irgendwann ein belebter Ort werden. Denn obwohl der Mond karg und leer ist, sei er für viele von großem Interesse.  „Wir sind überzeugt, der Mond sollte allen offenstehen“, sagt sie. Diese Einstellung hat auch ganz pragmatische Gründe. Denn Wissenschaft und Forschung können die Raumfahrtambitionen der Menschheit leider nicht alleine finanzieren und vorantreiben, sagt die Raumfahrtmanagerin. Es brauche auch Unternehmen und Wertschöpfung auf dem Erdtrabanten. Neben dem Abbau von Rohstoffen wie Helium-3 oder Titan sei „natürlich der Tourismus das Naheliegendste“, was die Rückkehr zum Mond antreiben könnte, sagt Sabine von der Recke. „Wenn sich der Mensch etwas Neues erschließt, dann gibt es bei vielen den Drang und die Neugier, sich das anschauen und erleben zu wollen.“

 

So einige wären bereit, viel dafür zu zahlen, um den Weltraum zu erleben und den Fuß dorthin zu setzen, wo bislang nur wenige Menschen waren. Selbst wenn es kein Luxusausflug wäre, sondern eher wie ein Besuch der Neumayer-Station in der Antarktis. Aber auch die Produktion bestimmter Materialien, die Erzeugung von Solarstrom sowie der Aufbau und Betrieb von Rechen- und Datenzentren wären auf dem Mond und damit innerhalb der Infrastruktur eines Moonports möglich. Letztlich diene all das aber auch einem höheren Zweck, wie Sabine von der Recke betont. Sie ist fest von der Eroberung des Weltraums durch den Menschen und der Entwicklung von Raumfahrttechnologie überzeugt. „Der Raum um unsere Erde hat eine große Relevanz“, sagt sie und fügt hinzu: „Ich bin froh, dass wir in Deutschland und Europa endlich erkannt haben, dass auch wir uns darum kümmern müssen.“

 

Tatsächlich soll es mit dem europäischen Mondraketenbahnhof vergleichsweise schnell gehen. „So um 2030, 2032 sollte bereits etwas passieren“, sagt Sabine von der Recke. „Das ist der Plan.“ Was genau zu diesem Zeitpunkt passieren wird, wann der Moonport in den aktiven Bau gehen könnte und wann die ersten Menschen dort landen und arbeiten werden, das lasse sich bisher aber noch nicht genau sagen. Auch weil es von Kooperationen und auch dem Geld abhänge. „Wenn uns die ESA jetzt konkret beauftragen würde, dann würde das sicher schneller gehen“, lacht Sabine von der Recke. Aber auch so nehme die European Moonport Company ihren Namen und ihren Auftrag ernst. „Das alles ist keine fixe Idee, kein Trend für uns, das ist bei uns intrinsisch“, sagt sie. „Der Mond ist uns wichtig. Es ist auch persönlich: Mich hat der Mond schon immer fasziniert und interessiert. Er ist immer da, er ist Teil unseres Lebens, und das spornt natürlich an.“

Michael Förtsch

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