13. Oktober 2025
Der KI-Actionfilm Tron: Ares ist hübsch, unterhaltsam – und ziemlich überflüssig

Mit Tron: Ares ist der nunmehr dritte Teil der in den 1980ern gestarteten Cyberspace-Sci-Fi-Saga in die Kinos gekommen. In ihm treten die KI-Programme aus dem Grid erstmals in die reale Welt und sorgen dort für spektakulär anzuschauendes Chaos. Leider hat der Film nicht viel mehr zu bieten als schöne Bilder und gute Musik.
Von Michael Förtsch
Erst vor kurzem hat der Entwickler von ChatGPT, OpenAI, den nächsten Schritt in Sachen Künstlicher Intelligenz vorgestellt. Dabei ging es jedoch nicht um die Möglichkeit, Krankheiten wie Krebs zu heilen, den Welthunger zu beenden oder den Energiehunger von Künstlicher Intelligenz zu dämpfen, sondern um die Fähigkeit, absurde Videos zu generieren, in denen beispielsweise Sam Altman im Katzenkostüm durch das OpenAI-Büro hüpft und „Miau! Miau!“ ruft.
In Tron: Ares, dem mittlerweile dritten Teil der im Jahr 1982 begonnenen Filmreihe von Disney, wird KI ebenfalls nicht eingesetzt, um die großen Probleme der Menschheit zu lösen. Allerdings auch nicht für harmlose Katzenvideos. Wir erinnern uns: In Tron dreht sich alles ums Grid, die vom genialen Informatiker Kevin Flynn erschaffene digitale Welt, in der Programme in humanoider Form existieren. In Tron: Ares soll die unglaublich fortgeschrittene KI nur vor allem zu einem dienen: dem Krieg – und das nicht im Digitalen, sondern in der realen Welt. Die Technologie soll nicht genau erforscht, sondern möglichst gewinnbringend eingesetzt werden.
Der von Regisseur Joachim Rønning gedrehte Tron: Ares setzt 15 Jahre nach Tron: Legacy und 36 Jahre nach dem Original an. Jedoch ist deren genaue Handlung hier nur bedingt relevant – das titelgebende Programm Tron und auch andere Figuren aus dem Original treten mit einer Ausnahme gar nicht auf. Was der Zuschauer wirklich wissen muss, erklärt zu Beginn eine Sequenz von Nachrichtenmeldungen. Die einst von Flynn geführte Firma ENCOM und deren Rivale Dillinger Systems, dessen Gründer Ed Dillinger einst die Technologie von Flynn gestohlen hat, liefern sich auch heute noch einen Konkurrenzkampf. Die Führung von Dillinger Systems hat der Enkel des Gründers übernommen – der ebenso arrogante wie selbstsichere Julian. Und der setzt alles auf eine Karte, um ENCOM endgültig auszustechen.
„So much talk about AI and Big Tech today”, sagt Julian, als er vor einer Gruppe aus Generälen aus aller Welt steht und ihnen seinen Durchbruch präsentiert. Mit Hilfe von Flynns KI-Technologie hat Dillinger Systems ein eigenes Grid erschaffen und darin den von Jared Leto gespielten Ares als den perfekten Soldaten programmiert – oder eher: trainiert. Er kann andere Programme anführen, in fremde Computersysteme eindringen und vieles mehr. Auf einem realen Schlachtfeld nutzt Ares aber eher wenig. Jedoch präsentiert Dillinger nun eine Art von Laserdrucker, mit der Ares, aber auch Fahr- und Flugzeuge aus der Tron-Welt ausgedruckt in die reale Welt geholt werden können: Materielose Information wird dadurch manifestiert. Wie genau das funktioniert? Darauf wird nicht weiter eingegangen. Das Problem: Die Verstofflichung hält nur 29 Minuten.
Doch eine Entdeckung der von Greta Lee gemimten ENCOM-Chefin Eve Kim in einer vor Jahren aufgegebenen Eremitage von Flynn inmitten der verschneiten Einöde irgendwo bei Skagway, Alaska, könnte das zu ändern sein. Denn Flynn hatte offenbar bereits vor Jahrzehnten einen Permanence Code entdeckt, der digitalen Wesenheiten eine Art von DNA spendiert, die sie an die richtige Welt binden können. Kim kann damit einen Orangenbaum aus der digitalen Welt in die Realität holen, der Stunden über Stunden besteht. Dillinger will diesen Code – und setzt Ares und seine Krieger darauf an. Denn natürlich hat er potentiellen Kunden verschwiegen, dass seine digitalen Kreationen nach nicht einmal einer halben Stunde zerfallen.
Schick ... aber nicht viel mehr
Was in den fast zwei Stunden folgt, sind äußerst schick anzusehende Szenen, in denen sich Ares und Eve mit den legendären Light Cycles eine Verfolgungsjagd durch eine Großstadt liefern. Dabei werden von den Lichtbarrieren, die sie hinter sich herziehen, ein Polizeiauto zerschnitten und andere Wagen zum Überschlagen gebracht. Auch fliegen bald virtuelle Fluggeräte über Hochhäuser hinweg und liefern sich Duelle mit Düsenjets. Den Kontrast der digitalen und stofflichen Ästhetiken hat man so noch nicht gesehen – er kann durchaus begeistern. Und auch die Sequenzen, in denen die digitalen Gebilde von 3D-Druckern mit umhersurrenden Laserstrahlen aus dem Nichts gezaubert werden, schauen imposant aus. Zudem gibt es einen nostalgischen Abstecher in die 80er-Jahre-Fassung des Grid-Cyberspace.
Aber sonst bietet Tron: Ares leider nicht viel. Lediglich die Wandlung von Ares vom gefühllosen Programm zum digitalen und ziemlich menschlichen Bewusstsein ist als Konzept interessant, aber banal umgesetzt und allzu schnell vollzogen. Und … so richtig glaubhaft ist Jared Leto als militärisch pragmatischer Krieger von Beginn an nicht. Etwas, das aber nicht ausschließlich dem Schauspieler selbst zuzuschreiben ist. Denn in Blade Runner 2049 mimte Leto den Firmenführer Niander Wallace als berechnenden, kaltherzigen und geradezu unmenschlichen Möchtegern-Gott auf erschreckend glaubwürdige Weise. So oder so: Tron: Ares bleibt flach und enttäuschend uninteressant, was das Thema Künstliche Intelligenz angeht.
Dabei hätte es viele spannende Ansatzpunkte gegeben. Die Figurenkonstellation hätte Raum und Zeit geboten, die Beziehung zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz genauer zu erforschen. Der Film hätte hinterfragen können, ob die Gefühle, die ein digitales Wesen erlebt, echt oder nur Simulation sind. Ob einer Künstlichen Intelligenz die Bedeutung von Menschenleben, Moral und Ethik verständlich gemacht werden kann. Wie wir Menschen sicherstellen können, dass wir digitalen Wesen vertrauen können, die selbsttätig und nach für uns nicht nachvollziehbaren Mechanismen und Regeln ihre Entscheidungen treffen. Oder auch, wie und wieso eine Künstliche Intelligenz einen Selbsterhaltungstrieb aufbauen kann – ein Phänomen, das derzeit auch immer wieder bei aktuellen Sprachmodellen scheinbar sichtbar wird und KI-Forscher rätseln lässt. Und sowieso: Ob es fahrlässig ist, eine solche Technologie einfach auf die Welt loszulassen.
Immerhin ein guter Soundtrack
Auch die Welt und die Handlungselemente selbst hätten viel Potenzial geboten, um das Tron-Universum auszubauen, spannender sowie erforschenswerter zu machen. Vieles in Tron: Ares wird einfach hingenommen und nicht hinterfragt. Aus was werden die KI-Krieger und Maschinen eigentlich geformt, wenn sie durch Laser zusammengesetzt werden? Durch welche mysteriöse Energie werden die Digitalmaschinen angetrieben, wenn sie in der realen Welt umhersausen und fliegen? Ist es möglich, dass sich die digitale Welt und die Realität doch nicht so sehr unterscheiden? Wird dadurch vielleicht sogar die Simulationshypothese untermauert? Ist das Grid nur ein Computerprogramm in einem Computerprogramm? Sicher, das wäre vielleicht etwas zu viel des Guten, aber etwas mehr Mysterium hätte Tron: Ares durchaus gutgetan.
Leider taugt Tron: Ares also weder als Kommentar auf den aktuellen KI-Hype, noch auf die Digitalisierung generell. Zu platt sind dafür Figuren, Handlung und Plot. Trotz alledem kann Tron: Ares durch die gekonnt stylische und zuweilen überwältigende Kameraarbeit von Jeff Cronenweth und die fantastischen Effekte von Industrial Light & Magic unterhalten. Dazu kommt, dass, obwohl Depeche Mode Ares‘ Lieblingsband zu sein scheint, der Soundtrack von Nine Inch Nails stammt. Hier vermengen sich dadurch teils treibende, elektronische Stücke mit mal industriellen, rockigen und dann wieder ätherischen Synth-Klängen, die mal schleichend, unheimlich, dann wieder treibend und voranpreschend erscheinen.

Michael Förtsch
Leitender Redakteur
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Cooler Artikel!

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