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28. Juli 2025

DeepTech oder Industrie-Dinosaurier? Der Investor Herbert Mangesius über Europas Zukunft

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Wird Europa im Zeitalter von KI, Robotik, Quantencomputing und Klimatechnologien eine führende Rolle spielen – oder zum Zuschauer werden? Herbert Mangesius, General Partner beim Wagniskapitalgeber Vsquared Ventures, sieht große Chancen. Doch noch werden sie nicht ausreichend ergriffen. In der ersten Episode des neuen 1E9-Podcasts Deep Tech Unlocked erklärt er, was jetzt geschehen muss, damit Europa die nächste industrielle Revolution mitgestalten kann.


Von Thomas Lange und Thorsten Lambertus, Hosts von DeepTech Unlocked


„Entweder bist du dabei oder du bist ein Dinosaurier der Vergangenheit.“

Mit diesem Satz bringt Herbert Mangesius auf den Punkt, was aus seiner Sicht auf dem Spiel steht. DeepTech – also Technologien mit wissenschaftlichem Fundament wie Quantencomputer, neue Batteriegenerationen, Robotik oder KI – sind aus seiner Sicht die Triebwerke der kommenden Jahrzehnte. Und die verändern gerade mit voller Wucht ganze Industrien.



Europas Stärken: Bildung, Wertschöpfung, Forschung


Tatsächlich hat Europa einiges, worauf sich aufbauen lässt. „Wir geben unglaublich viel Geld aus, um in der Breite Europas Forschung und Bildung zu betreiben. Das ist gut. Wir haben sehr gut ausgebildete Leute“, sagt Mangesius. Außerdem gebe es in Europa – und besonders in Deutschland – „eine unglaubliche Fähigkeit, Dinge in der physischen Welt extrem effizient in sehr hoher Qualität und at scale herzustellen.“


Besonders neue Industrien wie Robotik oder Quantencomputing könnten von dieser europäischen Stärke profitieren. Sein Fonds Vsquared Ventures ist beispielsweise in IQM investiert, einen Quantencomputing-Pionier aus Finnland. „Wenn ich sehe, wie das Geschäft explodiert, wie die Firma es in so wenigen Jahren geschafft hat, Quantencomputer als Produkte herzustellen, dann ist das einzigartig. Diese Fähigkeit, Produkte auszuliefern gemäß der Spezifikation, die man ausgibt, ist extrem wichtig.“


Aber: Politische Fragmentierung, Bürokratie und zu wenig Kapital


Gleichzeitig sieht Mangesius strukturelle Schwächen, die Europa im globalen Wettbewerb ausbremsen. „Wir konzentrieren nicht genug Kapital. Wir denken auch nicht sehr strategisch, langfristig im politischen Tun, weil das Politische in Europa einfach sehr, sehr fragmentiert ist. Es ist viel zu komplex, zu bürokratisch. Und das verhindert eben auch diese Größe im Denken.“


Er verweist auf die USA, wo ein Zusammenspiel aus starken Investoren, zu denen auch Pensionsfonds gehören, und einem „unglaublich pragmatischen, ambitionierten Mindset“ Innovation massiv vorantreibt. In Europa dagegen sei das Denken oft lokal oder national. „Wenn man sich anschaut, wo die großen Gelder herkommen, will eben jedes Land dasselbe für sich haben. Und das ist nicht gut, wenn man im globalen Wettbewerb bestehen will.“


Was es braucht: Weniger Fragmentierung, mehr Kapital und Mut


Um den Rückstand aufzuholen, müssen Hürden gesenkt werden. „Man muss es einfach wagen und starten. Wir haben es mit unserem kleinen Fonds gemacht, vielleicht weil wir auch naiv waren, aber begeistert. Und ich wünsche mir, dass es mehrere machen – auf Corporate-Ebene, institutionell, in der Politik. Mehr Europa wagen, mehr Konzentration und weniger Fragmentiertheit.“


Ein Beispiel für weniger Fragmentierung, die Reibung und Unsicherheit verursacht, wäre eine europäische Standardgesellschaft für Start-ups, wie es in den USA die Delaware Inc. ist. „Viele in Osteuropa gründen sofort eine Delaware Inc. als Parent Company. Warum? Weil es jeder versteht, auch das Kapital. Wir brauchen Ähnliches in Europa. Die Initiative der EU Inc. ist ein guter Gedanke – weil man damit Mitarbeiterbeteiligung, Kapitalmärkte und die gesamte Start-up-Bürokratie vereinfachen könnte.“


„Wir sind in Europa extrem risikoavers und bevorzugen die Sicherheit des Schnitzels am Sonntag – statt mehr Unsicherheit zu wagen.“

Besonders beim Kapitalzugang sieht Mangesius enormen Nachholbedarf. „Wir haben in Europa ein großes Problem mit unseren Rentensystemen. Wenn man sich anschaut, wo das ganze Geld in den USA, Kanada oder den Niederlanden herkommt: das sind gigantische Pensionsfonds. Damit schafft man es, in Innovation zu investieren und über 20, 30 Jahre einen Kapitalmarkt zu kreieren, der auch Fehler erlaubt – wie in den USA.“


Ohne größere Kapitalmärkte bleibe DeepTech oft in der Frühphase stecken. „Gerade wenn man die ersten Hürden nimmt und die ersten fünf, zehn, paar Dutzend Millionen einsammelt, wird die Luft dünn. Dann in andere Dimensionen vorzustoßen ist schwierig. Da hört öffentliche Förderung oft auf.“


Neben Kapital und Strukturen ist für Mangesius aber auch der kulturelle Faktor Mut entscheidend. „Wir sind in Europa extrem risikoavers und bevorzugen die Sicherheit des Schnitzels am Sonntag – statt mehr Unsicherheit zu wagen.“


Was helfen könnte? Mehr Vorbilder und Begeisterung. „Technologische Transformationen passieren gerade. Du kannst sie nicht wegdiskutieren. Und entweder du bist dabei, oder du bist ein Dinosaurier der Vergangenheit. Aber damit du dabei bist, brauchst du ein Gefühl von persönlicher Verantwortung und Ambition. Das fehlt uns oft – in der Politik genauso wie in den Corporates.“


Mehr Zeit für das Abenteuer des Erforschens.


Und was ist die Vision, auf die er hinarbeitet? „Die zwei großen treibenden Themenfelder sind KI und die grüne Transformation von Industrien. Und diese beiden verschmelzen gerade. Wenn KI einen Körper findet in der Robotik, kann sie viele Tätigkeiten übernehmen, die wir gar nicht so gerne machen. Dann ist die Frage: Womit beschäftigen sich die Menschen? Ich hoffe, mit füreinander Sorgen, mit Forschen und mit dem Verschieben der Grenzen dessen, was wir wissen und erleben können.“


Für ihn ist Technologie immer menschengemacht – und menschengedacht. „Ich glaube sehr stark an das Menschenzentrische. Und ich würde mir wünschen, dass wir in Zukunft eine Gesellschaft haben, die existenzielle Nöte überwindet und mehr Zeit hat für das Abenteuer des Erforschens und des schöpferischen Handelns grundsätzlich.“


Fazit: Europa hat die Chance – wenn wir sie ergreifen


Herbert Mangesius ist kein Schwarzmaler. Er glaubt an Europa – aber auch daran, dass sich einiges ändern muss. Weniger Bürokratie, mehr gemeinsames Denken, bessere Kapitalmärkte und ein neues Mindset. „Wir haben hier alle Voraussetzungen: gute Ausbildung, exzellente Forschung, starke Wertschöpfung. Aber wir müssen jetzt wagen, groß zu denken und zu handeln. Sonst wird die Deep-Tech-Revolution ohne uns stattfinden.“



DeepTech Unlocked

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