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19. Januar 2026

Bekannt aus Extra 3 und Games: Wurde dem Sprecher Jens Wendland die Stimme mit KI für TikTok-Videos geklaut?


In zahlreichen TikTok-Videos taucht eine KI-Stimme auf, die der des bekannten Synchronsprechers Jens Wendland täuschend ähnlich klingt. Doch offiziell lizensiert hat sie der chinesische ByteDance-Konzern für solche Zwecke nicht. Der Sprecher sucht den Rechtsweg, auch wenn der Fall kompliziert ist.

 

Von Michael Förtsch

 

Selbst wer nicht weiß, wer Jens Wendland ist, kennt wahrscheinlich seine Stimme. Denn der Hamburger spricht unter anderem den Schatzsucher Nathan Drake in den Uncharted-Videospielen, mehrere Rollen in den Anime-Serien Naruto und Frieren, Baggi in Bob der Baumeister und regelmäßig die ironische Off-Stimme in der Satire-Sendung Extra 3. Auch in zahlreichen Dokumentationen, Hörspielen und Werbeeinspielern ist er seit fast 30 Jahren zu hören. Seit einiger Zeit ist seine Stimme auch in Clips auf der Social-Video-Plattform TikTok zu vernehmen – wie etwa hier: Als tief angesetzte Erzählerstimme, die von Nutzern bereitgestellte Texte einspricht. Zumindest sind Jens Wendland, viele seiner Kollegen und Kolleginnen und auch Social-Media-Nutzer davon überzeugt, dass er es ist. Allerdings hat der Synchronsprecher seine Stimme dafür nie zur Verfügung gestellt. Vielmehr liegt für ihn und andere der Verdacht nahe, dass seine Stimme mittels Künstlicher Intelligenz geklont wurde.



Der Hamburger selbst hat davon zunächst nichts mitbekommen. Er ist in den sozialen Medien nicht sonderlich aktiv. Wendland verfolgte weder TikTok noch Instagram oder andere Plattformen – zumindest bislang. Im September 2025 machte ihn dann eine Kollegin auf die Situation aufmerksam. Sie hatte seine Stimme – oder zumindest eine, die seiner zum Verwechseln ähnlich klingt – in den Videos einer Influencerin erkannt, die sie gerne schaute. „In dieser Stimme erkannte ich sofort eine Art zu sprechen, die ich gern in Beiträgen von Extra 3 verwende“, sagt Wendland im Gespräch mit 1E9. Er habe diese „besondere Sprechhaltung“ einst für die Ach- und Krachgeschichten der Satire-Sendung erdacht und „Erklärbär“ getauft.

 

Diese bestimmte Erzählerstimme sei „sehr ironisch, mit etwas Schalk im Nacken und einer etwas überhöhten Betonung“. Das sei klar zu hören. Es gebe aber noch andere Faktoren, ergänzt Wendland. Auch die Stimmlage, die Art der Modulation, die Betonung, die Pausen sowie die emotionale Lage, die in der Sprechweise mitschwingt, und „andere charakteristische Merkmale“ seien sehr markant und wiedererkennbar. Zwar könnten andere Sprecher durchaus in einer ähnlichen Weise sprechen, aber nicht genauso. Er kenne „sein Instrument“ nach all den Jahren, scherzt der Sprecher. Dass die Übereinstimmung nur Zufall sei, mag er daher nicht glauben.

 

Klage gegen ByteDance

 

Die der Erklärbär-Stimme von Jens Wendland sehr ähnliche KI-Stimme ist zwar in Clips auf TikTok zu hören. In die App von ByteDance selbst ist sie jedoch nicht integriert. Stattdessen ist sie als eine von über 200 einfachen und über 90 sogenannten Charakterstimmen im KI-Video-Editor CapCut zu finden, der ebenfalls vom TikTok-Konzern entwickelt wurde und in das Ökosystem von TikTok integriert ist. Entsprechend breit ist die Nutzung der Stimme. „Es müssen ja Hunderte, wenn nicht Tausende Videos mit dieser Stimme im Umlauf sein”, sagt Wendland. Daher hat er sich entschlossen, rechtlich gegen ByteDance vorzugehen, obwohl das Unternehmen finanziell und rechtlich breiter aufgestellt ist. Es gehe nun mal „meine Stimme“, sagt er – oder zumindest um eine, die für seine gehalten werden kann.

 

Daher hat Jens Wendland das aus China stammende Unternehmen ByteDance mithilfe eines Anwalts zunächst aufgefordert, die Stimme nicht mehr anzubieten. ByteDance wies den Vorwurf des Synchronsprechers zurück. Es handele sich nicht um seine Stimme, die als KI-Stimme verfügbar sei, sondern um jene eines britischen Sprechers. Diese sei ordentlich lizenziert worden und auch in einer deutschen Variante verfügbar gemacht worden. Der Name dieses Sprechers ist Wendland und seinem Anwalt auch mitgeteilt worden. „Ich habe Stimmproben von ihm gehört“, sagt Wendland. Die Stimme des britischen Originals ähnele seiner zwar, sei aber eher eine Stimmparodie, die den Sprachstil von Sir David Attenborough nachahmt. Die deutsche KI-Stimme klinge anders, eben wie seine eigene.

 

Hundertprozentig sicher, dass es wirklich seine Stimme ist, könne er zwar nicht sein, sagt Wendland. Er ist sich aber sicher genug, dass seine Stimme in der KI-Stimme steckt – wenn auch vielleicht als Teil einer KI-Stimmenmixtur. Daher haben er und sein Anwalt im Dezember 2025 eine Klage eingereicht. „Ich setze meine Hoffnung darauf, dass das Gericht anhand des AI-Acts der EU eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts aufgrund der auffallenden Ähnlichkeit, die wir zweifelsohne beweisen können, erkennt und die KI-Stimme daraufhin gelöscht wird“, sagt er. Er wolle sowohl für sich als auch für andere mehr Schutz vor der Sammelei privater Daten und deren Missbrauch etwa für Imitation schaffen.

 

Eine Reaktion von ByteDance auf die Klage gibt es noch nicht.

 

Wieso eine Stimme konservieren?

 

Wie Jens Wendland betont, ist er jedoch nicht grundsätzlich gegen Künstliche Intelligenz oder deren Einsatz im kreativen Bereich. Er sieht diese Entwicklung in einer Reihe mit Schallplatten, Filmen, Fernsehern und Computergrafik. In welchen Bereichen sich diese Technologie durchsetzen und etwas verändern wird, steht seiner Ansicht nach aber noch aus. „Letztendlich entscheiden wir alle“, sagt er. „KI ist für sich erstmal ein faszinierendes Werkzeug. Aber es ist nicht das Maß aller Dinge. Sie kann nicht aus sich selbst Kunst erzeugen.“ Derzeit sei die KI-Technologie neu und aufregend. Es müsse sich noch zeigen, wo sie wirklich einen Mehrwert habe und wo sie nicht zu gebrauchen sei.

 

Auch dem Klonen von Stimmen stehe er nicht pauschal entgegen. Wenn es einvernehmlich geschieht, wie bei der Zusammenarbeit mehrerer Prominenter mit dem Start-up Eleven Labs, habe er nichts dagegen. Allerdings sieht er darin keinen Mehrwert für den Sprecher als Künstler und für das Publikum. „Als Sprecher sehe ich meine Stimme als mein Instrument“, erklärt er. Die Stimme allein sei ohne das Talent, die Emotionen und Erfahrungen des Sprechers nicht viel wert. „Natürlich vermisse ich große Stimmen namhafter Kollegen, die leider schon gestorben sind“, sagt er.  „Aber was nützt es, diese Stimmen zu konservieren? Macht es sie dadurch nicht beliebig? Spricht es ihren Talenten nicht nachträglich Hohn, wenn man sie in eine digitale Konserve drückt und dann auf Knopfdruck wieder aufwärmt?“

Michael Förtsch

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